Donnerstag: Start aus den Sonnenblumen

Wir beide sind früh wach, offenbar treibt uns beide der gleiche Gedanke aus den Federn:
Wir müssen aus der schmalen Piste im Sonnenblumenfeld herausstarten. Immerhin sind rechts und links der Flächen nur rund 3 Meter Platz, eine Mittelmarkierung ist nicht vorhanden. Ich bin sogar der Meinung, dass die Piste in Startrichtung schmaler wird, Stefan verneint das. Tröstlich allein der Gedanke, dass wir am Vortag ja auch ohne weitere Probleme hier sogar mit Seitenwind gelandet waren. Die Piste ist so schmal, dass wir zum wenden der Flugzeuge den Motor abstellen und dann aussteigen müssen . „Schau weder rechts noch links sondern immer schön geradeaus“ hatten wir uns eingebleut, dann gibt es bestimmt keinen Ringelpietz. Ich versuche Stefans Start zu filmen, doch der Propellerwind reißt mir fast die Haube aus der Hand und das Handy fällt runter. Zudem verweigert mein iPhone weitere Aufnahmen, wie ich später herausfinde ist der Speicher voll. Der anspruchsvolle Start gelingt. Am Platzrand stehen ein paar Leitungen, Gebäude , die Eisenbahnlinie. Alles lässt sich problemlos überfliegen , dann findet man sich schnell über dem azurblauen Mittelmeer wieder, wo einige Runden zur Beruhigung der Nerven gedreht werden. Als wir den Platz überfliegen, landet gerade ein anderes UL.
Dem weiteren Flug der beiden Piccolos steht nichts im Weg, Thermik findet sich über vielen Bergrücken,  sodass unsere Flugstrecke eher einem Konturenflug gleicht. Die Abgasfahne hinter uns dürfte indes sehr gering ausgefallen sein, genehmigt sich das kleine Motorherz doch nur so um die vier Liter in der Stunde bei über 100 km/h Fahrt. Wir erreichen unser heutiges Ziel Sant’Illuminato, wollen aber noch nicht sofort landen, sondern weiter zum  Lago Trasimeno. Ein etwas mulmiges Gefühl, als wir den großen See in der für Italien gewünschten geringen Flughöhe überfliegen , Ufer wären bei Motorausfall indes aber wohl im Gleitflug  zu erreichen, oder vielleicht doch nicht? Der Piccolo fliegt so mit einer Gleitzahl von ca. 23, was ja so nicht schlecht ist, und irgendwie auch Sicherheit bietet, ebenso wie das minimale Eigensinken von knapp 0,9m/Sekunde.
Die Landung an unserem Ziel für heute gestaltet sich unproblematisch, leider ist das Gras auf der 900 Meter langen Piste nicht gemäht. Die Piccolos werden vertäut, ein vorüberfahrender Bauer liest uns auf und bringt uns auf seinem Traktor zum Rustiko hinauf, nicht ohne uns die erstaunliche Geländegängigkeit seines Allradfahrzeugs auch abseits der Wege und in schwersten Gelände zu demonstrieren. Wir loben seine fahrerischen Fähigkeiten und bedanken uns herzlich.
Das was uns als Rustiko angekündigt war, stellt sich als superschöne  Villa mit Pool, riesigem Garten, See uraltem Baumbestand heraus.  Wir bekommen für unglaublich kleines Geld (Piloten bekommen Sonderpreise!!!) eine komfortable Wohnung, ebenfalls wieder antik und komfortabel möbliert . Der Besitzer ist selbst Pilot, äußerst um unser leibliches Wohlergehen bemüht. Wir essen unter hohen Bäumen auf einer  Terasse mit Blick auf den See, es hat uns wieder hervorragend geschmeckt, die Unterhaltung verlief in Englisch und war sehr anregend. Dabei quaken die Frösche zu unseren Füssen ihr eigenes Lied. Wir beschliessen den Abend mit einem Chianti und freuen uns auf den nächsten Flugtag.

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